LOS FANTASMAS

+++ 13. September | ab 20:00 | Gans am Wasser +++

INFO: GUA/ARG 2020, 75 MIN., OMEU
REGIE: Sebastián Lojo

Guatemala-Stadt ist das heiße Pflaster, auf dem sich der junge Koki leichtfüßig bewegt. Am liebsten bei Nacht, wenn sich die Schwüle legt und die Gespenster der Schattenwirtschaft ihr Unwesen treiben. In beeindruckenden Bildern von Vincenzo Marranghino wird die Nacht zum Schauplatz, den Koki für seine amourösen Streifzüge nutzt. Im Hotel, in dem er tagsüber als Touristenführer arbeitet, werden seine Gönner gerne mal ausgenommen. Im Gegensatz zu Wrestler Carlos wuchtet sich Koki nicht mit Händen und Füßen durchs Leben, sondern gleitet als gewiefter Schlingel seinen Zielen entgegen.

Die trügerischen Allianzen, die die Figuren miteinander eingehen, legen offen, was für ein knappes Gut Vertrauen in einem Land ist, in dem zwischen 1960 und 1996 ein opferreicher Bürgerkrieg tobte. Die Fantasmas, deutsch für Gespenster, sind auch als das schwierige historische Erbe Guatemalas zu verstehen, auch wenn die soziohistorischen Zusammenhänge bei den Portraits der umherirrenden Alltagshelden unausgesprochen bleiben. Sebastián Lojos Debutwerk bietet die seltene Gelegenheit, einen Film aus Guatemala zu sehen – einen sehenswerten obendrein, der seine Anleihen beim großen lateinamerikanischen Autorenkino von Lucrecia Martel oder Lisandro Alonso nimmt.