LOS FANTASMAS

+++ VERSCHOBEN +++

INFO: GUA/ARG 2020, 75 MIN., OMEU
REGIE: Sebastián Lojo

Guatemala-Stadt ist das heiße Pflaster, auf dem sich der junge Koki leichtfüßig bewegt. Am liebsten bei Nacht, wenn sich die Schwüle legt und die Gespenster der Schattenwirtschaft ihr Unwesen treiben. In beeindruckenden Bildern und Einstellungen der Kamera von Vincenzo Marranghino wird die Nacht zum Ort, den Koki für amouröse Streifzüge nutzt. In Carlos‘ Hotel, in dem er tagsüber als Touristenführer arbeitet, werden seine Gönner gerne mal ausgenommen. Im Gegensatz zu Wrestler Carlos, pflügt Koki nicht mit Händen und Füßen durchs Leben, sondern arbeitet als reizender Schlingel mit einer guten Portion Straßenkenntnissen seinen Zielen entgegen.

Die trügerischen Allianzen, die die Figuren miteinander eingehen, legen offen, was für ein knappes Gut Vertrauen in einer Weltregion ist, in der zwischen 1960 und 1996 ein opferreicher Bürgerkrieg tobte. Die Fantasmas (dt. für Gespenster) sind sicherlich auch als das schwierige historische Erbe Guatemalas zu verstehen, wenngleich umfassende Zusammenhänge bei den Portraits der urbanen Lebenspfade und Irrwege unausgesprochen bleiben. Sebastián Lojos Debutwerk bietet die seltene Gelegenheit, einen Film aus Guatemala zu sehen – einen sehenswerten obendrein, der seine Anleihen beim großen lateinamerikanischen Autorenkino von Lucrecia Martel oder Lisandro Alonso nimmt.