NIEBLA DE LA PAZ

Das Hinterland Kolumbiens ist ein Zufluchtsort für viele Enteignete und Vertriebene. Seit 1964 herrscht dort einer der längsten bewaffneten Konflikte weltweit. Trotz der Friedensverträge, die 2016 in Havanna unterzeichnet wurden, sind die Wunden zu tief, die Fronten zu hart und die Strukturen zu verknöchert, um die Vergangenheit zu überwinden.

NIEBLA DE LA PAZ dokumentiert die schwierige Transformation aus der Perspektive zweier Guerilleros; wie zwei Scherben fügen sich ihre Schicksale in das große Mosaik der kolumbianischen Geschichte. Doch sie sind sich auch ihrer Mission bewusst, sich aktiv an der Geschichtsschreibung zu beteiligen. Im Kreuzfeuer der Meinungen wird ihre Berichterstattung als Konstrukt offengelegt, dem viele gegensätzliche Mikrogeschichten zu Grunde liegen.


Im Krieg ist Objektivität ein trügerisches Ideal: Solange kein Sieger feststeht, kann auch kein Masternarrativ eine Deutungshoheit für sich beanspruchen. Im Chor der Stimmen, die gleichsam aus dem Dunst einer atmenden Erde emporsteigen, werden Erinnerungen wachgehalten, die die Gegenwart prägen. Andere Spuren der Vergangenheit werden vom Wildwuchs der Zeit überwuchert. Manch eine wird in einem versteckten Archiv wiedergefunden und auf die Zukunft projiziert.

+++ VERSCHOBEN +++

INFO:
COL 2020, 87 MIN., OMEU
REGIE: Joel Stängle